Bildungsprogramm und Charakter der Universitšt
Institutionelle Organisation


Bildungsprogramm und Charakter der Universitšt

Die Chinese Culture University (Chinesische-Kultur-Universität, im Folgenden CCU) wurde im Jahre 1962 gegründet, als Name war ursprünglich “Fernost-Universität” vorgesehen. Der heutige Name geht auf den früheren Präsidenten der Republik China, Chiang Kai-shek, zurück, der stattdessen “Akademie der Chinesischen Kultur” vorschlug. Aus diesem Namen sind die Gründungsideale, die bis heute Programm geblieben sind, klar ersichtlich.

Die Stärken des traditionellen China liegen auf den Gebieten der Literatur, Geschichtswissenschaft und Philosophie, die wichtigsten Errungenschaften der modernen westlichen Zivilisation sind Technik und Demokratie. Nur durch die Verbindung des jeweils Besten aus Ost und West kann die chinesische Kultur weiterentwickelt werden. Deshalb legt die CCU großen Wert auf ein umfassendes Bildungsangebot, in dem Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften sowie Technik gleich stark gewichtet werden.

Die traditionelle Erziehung in den “Sechs Künsten” geht auf den als Heiligen verehrten ersten Pädagogen Chinas, Konfuzius, zurück. Durch die Unterweisung in Riten und Musik sollte demnach ein tugendhafter Charakter herangebildet werden, Bogenschießen und Wagenlenken dienten der Entwicklung der körperlichen Fähigkeiten, die Fächer Schreiben und Rechnen förderten den Intellekt. Deshalb wurden an der CCU zu allererst der Fachbereich der Künste und der Fachbereich Sport als Schwerpunkte eröffnet. Dank der Breite des Angebots im Fachbereich der Künste hat dieser denn auch national eine führende Position inne. Die Abteilungen Traditionelle Chinesische Oper, Traditionelle Chinesische Musik sowie die Abteilung für Tanz entbehren bis heute ihresgleichen; die große Zahl der an der CCU tätigen großen Künstler und ihr Engagement in der Kunstszene haben allseits große Anerkennung gefunden. Außerdem existiert an der CCU das landesweit einzige Universitätsmuseum, die Sammlung enthält vor allem Kunstwerke wie Kalligraphien, Malereien etc., und es werden oft Ausstellungen und Kurse organisiert, die einen wichtigen Beitrag zur Kunsterziehung leisten.

In der Sportabteilung werden sowohl westliche Sportarten als auch östliche Kampfkunst unterrichtet, und das in Theorie und Praxis. Das Potential der Sportler wird wissenschaftlich analysiert und dadurch deren Leistungen optimiert. An keiner zweiten Universität des Landes sind deshalb bisher so viele Trainer und international konkurrenzfähige Spitzensportler herangebildet worden, und es gibt auch nirgends sonst ein so vielfältiges Fächerangebot in diesem Berich. Die allgemeinen Sportkurse zielen insbesondere auf die Förderung von moralisch integren, aufrichtigen Persönlichkeiten und auf sportliche Fairness und Teamgeist ab.

Die chinesische Kultur ist die einflussreichste Kultur des Ostens, von den Historikern wird sie als eine der fünf noch existenten großen Weltkulturen bezeichnet. In den letzten dreihundert Jahren hat sich die gegenseitige Beeinflussung der großen Zivilisationen stark beschleunigt, und Grundlage des kulturellen Austauschs ist die Sprache. Deshalb wurden schon bei der Gründung der CCU Abteilungen für die Sprachen Englisch, Deutsch, Französisch, Russisch, Japanisch und Koreanisch eingerichtet, mit diesem breiten Angebot war der Fachbereich Fremdsprachen im nationalen Vergleich führend. Viele der Russisch- und Koreanischfachkräfte des Außenministeriums der Republik China sind deshalb Absolventen der Kultur-Universität. Seit dem Kollaps des sowjetischen Kommunismus übertrifft die Nachfrage nach Russischspezialisten das Angebot bei weitem. Um diesem Mangel abzuhelfen, wurde an der CCU 1991 deshalb das erste Graduierteninstitut für Russische Sprache und Literatur gegründet.

Die Medien prägen und verbreiten Kultur. Es gehört zur politischen Tradition Chinas, die öffentliche Meinung als Lebenskraft der Nation anzusehen. Seit langem hat man in der Medienerziehung aber westliche Systeme übernommen, die den Bedürfnissen der hiesigen Kultur nicht gerecht werden. Daher hat die CCU das Konzept einer sinisierten Medienerziehung ausgearbeitet, das – vorausgesetzt, es wird erfolgreich verbreitet – die taiwanische Medienerziehung in Zukunft von Grund auf verändern wird.

Architektur und Umweltplanung gehören zu den Stärken der chinesischen Kultur. Einem Zitat aus dem Kapitel über Bauwerke der antiken “Riten der Zhou” zufolge kann der Beginn der Stadtplanung schon auf die Zhou-Zeit datiert werden. Damals ließ der Herzog von Zhou die befestigte Stadt Luoyi erbauen, worauf Stadtmauern immer häufiger und schließlich zu einem typischen Bestandteil des chinesischen Siedlungsraumes wurden. Später wurde der riesige Epang-Gong mit seinen geschwungenen Dächern zum Vorbild für Palastbauten. Als großartige Gartenanlagen sind das Shanglin-Yuan und das Grab des ersten Qin-Kaisers bekannt. Der erste buddhistische Tempel ist der in der östlichen Han-Zeit erbaute Baima-Tempel. In der Sui- und Tang-Zeit war die chinesische Architektur bereits zur architektonischen Hauptströmung des Ostens geworden und hatte sich in Japan, Korea, Vietnam und weiteren Ländern verbreitet.
An der CCU gibt es bereits seit den Anfängen eine Abteilung für Architektur und Stadtplanung. Später wurden die landesweit ersten Abteilungen für Stadtverwaltung und Gartenarchitektur eingerichtet, allerdings in verschiedenen Fachbereichen. 1993 wurde aus den drei Abteilungen der Fachbereich Umweltplanung gebildet.

Kultur muss sowohl eine kreativ-erneuernde als auch eine praktisch-funktionale Seite haben, um sich entwickeln zu können, doch durch die traditionelle Fächereinteilung wird dem nicht genügend Rechnung getragen. An der CCU hat man das frühzeitig erkannt und zahlreiche sehr spezielle Abteilungen eingerichtet. Außer den oben erwähnten Abteilungen für Traditionelle Chinesische Oper, Musik, Kampfkunst und Tanz gehören dazu noch die Abteilungen für Stadtverwaltung, Arbeiterfragen, Werbung, Druckgrafik, Tourismus, Meteorologie, Kreatives Schreiben, Landressourcen, Kinder- und Jugendlichenwohlfahrt u.a., außerdem existieren Graduierteninstitute für die “Drei Prinzipien des Volkes” (jetzt unter dem Namen Sun-Yatsen-Institut), Biotechnologie und Festlandfragen. Ein großer Teil der in Taiwan benötigten Fachkräfte in diesen Bereichen sind Absolventen der CCU, so haben zum Beispiel mehr als 70% der von staatlichen Stellen beschäftigten Meteorologen an der CCU studiert. Ebenfalls sehr hoch ist dieser Prozentsatz in den Bereichen Stadtverwaltung, Arbeiterfragen, Druckgrafik, Tourismus und Festlandangelegenheiten.

Die CCU hat sich den oben dargelegten Leitgedanken folgend inzwischen zu einer Institution von beträchtlichem Ausmaß entwickelt, im Jahr 2002 gab es insgesamt 12 Fachbereiche, das ist ein beinahe umfassendes Angebot. Auf einen Fachbereich Medizin wurde aufgrund der hohen Kosten verzichtet. Diese Fachbereiche sind in 57 Abteilungen unterteilt, am Zentrum für Erwachsenenbildung gibt es noch weitere 7 Abteilungen und 11 Graduierteninstitute. Die Anzahl Abteilungen ist landesweit die größte innerhalb einer Universität. Das ist ein Vorteil, weil sich die Veranstaltungen verschiedener Abteilungen so besser ergänzen können. Beispielsweise können die Studenten der Abteilung für Werbung auch Veranstaltungen der Kunstabteilung oder Druckabteilung besuchen, was an anderen Universitäten nicht so gut möglich ist.
An den Graduierteninstituten werden 10 Doktoranden- und 38 Magisterprogramme geführt. In Zukunft wird das Angebot je nach gesellschaftlichen Bedürfnissen noch erweitert werden.

Die CCU legt großen Wert auf kulturellen Austausch mit anderen Nationen: Es werden internationale Konferenzen organisiert, Partnerschaftsverträge mit anderen Universitäten geschlossen, und für besondere Verdienste wird die Ehrendoktorwürde vergeben. Auf allen drei dieser Ebenen hat die Chinesische-Kultur-Universität beträchtliche Leistungen vorzuweisen. 1968 fand die erste “Internationale Sinologenkonferenz” an der CCU statt, an der 212 Wissenschaftler aus 20 Ländern teilnahmen, 175 Forschungsarbeiten wurden diskutiert. Es war die erste solche Veranstaltung größeren Stils in Taiwan und setzte damit Maßstäbe. Seither hat es noch zahlreiche weitere internationale Symposien gegeben, bei denen jeweils auch ein hochkarätiger Sammelband der wissenschaftlichen Beiträge herausgegeben wurde. In den letzten Jahren fanden folgende Symposien statt: “Geschichte der Song-Dynastie”, “Dunhuang-Forschug”, “Multinationale Unternehmungen”, “Ethik – Werte und Entwicklungen”,”Frühvorbeugung psychischer Behinderungen”, ”Didaktik der Neueren Chinesischen Literatur”, “2. Sinologenkonferenz”, “Östliche und Westliche Philosophie im Vergleich”, “Status der ROC in der internationalen Gemeinschaft”, “53. Psychologen-Weltjahrestagung”, “Tagung der Präsidenten von Privatuniversitäten in Taiwan, Japan und Korea” etc.

Die CCU besitzt heute 63 Partneruniversitäten auf der ganzen Welt, davon 20 in Korea, 12 in Japan, 12 in den USA, 3 in England, 3 in Russland, 2 in der Ukraine, 4 in Frankreich, 2 in Deutschland, und je eine in der äußeren Mongolei, Thailand, Liberia, Belgien und Holland. Eine besondere Ehre ist es, dass die Moskauer Universität, die einen ausgezeichneten Ruf genießt und auf der Liste der weltweit besten Universitäten innerhalb der ersten zehn Plätze rangiert, auch zu diesen Partneruniversitäten gehört. Die Zusammenarbeit umfasst vielerlei Aktivitäten wie zum Beispiel den Austausch von Lehrkräften und Studierenden, die Organisation von internationalen Konferenzen und Ausstellungen, gemeinsame Forschung und gegenseitige Besuche von Sportlerteams.

Bisher hat die CCU insgesamt 300 Freunden der Schule aus 30 Ländern die Ehrendoktorwürde verliehen, darunter sind Politiker, Wissenschaftler, Künstler, religiöse Autoritäten, Unternehmer, führende Medienleute usw. Die berühmtesten sind der frühere japanische Premierminister Nobusuke Kishi, der frühere japanische Parlamentspräsident Nadao Hirokichi, der Begründer der Wirtschaftszeitung ”Sankei-News”, Shikanji Nobutaka, der koreanische Minister Lee Sun-Keun und der Koreaner Young Seek Choue, der amerikanische General Albert C. Wedemeyer und die frühere philippinische Präsidentengattin Amelita Ramos.

Schon seit der Gründung der CCU existiert ein universitätseigener Verlag, der bis heute über 1100 Werke herausgegeben hat, darunter sind zahlreiche Forschungsarbeiten von Lehrkräften der CCU. Das meistverkaufte Werk ist das “Zhongwen Dacidian” (Großes Wörterbuch der Chinesischen Sprache), es gehört zu den in jeder größeren Bibliothek der Welt unentbehrlichen Standardnachschlagewerken. Auch andere Bücher von hohem wissenschaftlichem Wert wie der “Atlas der ROC und der Welt”, die “Geschichte der Qing-Dynastie”, “Geschichte der Ming-Dynastie”, “Geschichte der Yuan-Dynastie”, “Geschichte der Jin-Dynastie”, “Geschichte der Song-Dynastie”, “Chinesische Enzyklopädie”, “5000-jährige Geschichte Chinas”. Zahlreiche von den Lehrkräften der Universität herausgegebene Lehrwerke werden außerdem schon in breiten Kreisen benutzt. Kürzlich hat die CCU mit einigen Verlagen in Festlandchina Verträge abgeschlossen, um gemeinsam wissenschaftliche Werke zu veröffentlichen.
Die Universität gibt zur Zeit zwei englische Vierterljahrsschriften heraus, nämlich “Chinese Culture” und “Sino-American Relations”. Diese werden von Professoren der Universität redigiert und von Wissenschaftlern im In- und Ausland sehr geschätzt.

Im Universitätslied heißt es: “Im herrlichen Yangming-Gebirge führen wir die revolutionäre Tradition fort.” Es ist die Pflicht aller Intellektuellen, sich politisch zu engagieren. Zhang Erqi, ein Gelehrter der Qing-Zeit, hat einen Satz geprägt, der die Ideale der Lehrenden und Studierenden an der Chinesischen-Kultur-Universität zusammenfasst: “Die Ideale der Gelehrten sind die Quelle weltweiter Ordnung und die Basis des Volkswohls.” Die Zukunft unseres Landes ist eng verbunden mit den Beziehungen beiderseits der Taiwan-Straße. Deshalb wurde 1973 an der CCU das landesweit erste Graduierteninstitut für Festlandfragen (heute: Festlandchina-Institut) eingerichtet, inzwischen hat sich der Forschungsschwerpunkt vom politischen System und internationalen Beziehungen weg auch auf Probleme wie Bevölkerung, Ressourcen, Umwelt, Naturkatastrophen, Wirtschaft etc. verschoben und es wird noch intensiver geforscht. 1989 besuchte erstmals ein Wissenschaftler vom Festland, Professor Zhou Songqiao, Taiwan, und zwar auf Einladung der CCU hin. Seither finden häufig solche Besuche statt, und jedes Jahr werden an der Universität mehrere Symposien mit Teilnehmern von beiden Seiten der Taiwan-Straße organisiert. Eine Verbesserung der Beziehungen zwischen Festlandchina und Taiwan kann nur durch Intensivierung des kulturellen Austauschs erreicht werden, und nicht durch Polarisierung politischer Ideologien. Auch dies ist ein wichtiges Ziel der CCU.

 

Institutionelle Organisation

Die institutionelle Organisation der CCU sieht gemäß den entsprechenden Regelungen im Hochschulgesetz und dem Privatschulgesetz der R.O.C. wie folgt aus: oberstes Gremium ist der Verwaltungsrat, ihm unterstehen folgende administrative Abteilungen: das Akademische Amt, der Studentendienst, die Abteilung für allgemeine Organisation, das Zentrum für Erwachsenenbildung, das Sekretariat, die Personalabteilung, die Finanzabteilung, die Bibliothek, das Computerzentrum, die Abteilung für militärische Ausbildung und das Sportzentrum. Der akademische Bereich ist in folgende 12 Fachbereiche unterteilt: Geisteswissenschaften, Fremdsprachen, Naturwissenschaften, Rechtswissenschaften, Sozialwissenschaften, Agronomie, Ingenieurwesen, Ökonomie, Medienwissenschaft, Künste, Umweltplanung und Pädagogik. Um auch auf breiterer gesellschaftlicher Ebene zu wirken, wurde außerdem das Zentrum für Erwachsenenbildung eingerichtet. Zur Abdeckung weiterer Bedürfnisse der universitären Lehre und Forschung sind folgende ergänzende Institutionen vorhanden: der Hwakang-Verlag, das Hwakang-Museum, eine landwirtschaftliche Versuchsanstalt, die Hwalinyuan-Versuchsanstalt für Fischerei und Viehzucht, das Experimentelle Hwakang-Tanztheater, das Zentrum für Mongolei- und Tibetstudien, das Zentrum für Pädagogische Ausbildung, das Forschungszentrum für Chinesische Medizin und Pharmakologie sowie das Hwakang-Studentenradio.
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